KULTURELLER MIKROKOSMOS AM STADTRAND | 15 JAHRE KUPPEL

Der Unort zwischen Heuwaage und Zolli-Parklatz hat sich in eine facettenreiche Kultur- und Gastro-Oase verwandelt. Nun steht eine Neugestaltung des Areals bevor.
Dieter Thomas Kuhn, Stress, Die Lufthunde, Stiller Has, Gespensterfasnacht, Rosenstolz, Linard Bardill, Die Prinzen, Züri West und Wu-Tang Clan – vom Juxsänger über Theaterproduktionen und Kinderprogramme, Schlagercombos und CH-Rock bis zu angesagten Grössen der US-Hiphop-Szene: Die kurze Aufzählung vermittelt einen Eindruck davon, wie abwechslungsreich das Programm in der Kuppel in den vergangenen 15 Jahren war und immer noch ist. Vor zehn Jahren konnte die Kuppel von der TV-Sendung ‹10 vor 10›, von DRS 3 sowie den Zeitschriften Hochparterre und Annabelle die Lifestyle-Auszeichnung ‹Hase in Bronze› entgegennehmen – für die Verbreitung «subversiver Lebenslust», wie es in der Laudatio hiess.

Diese Umschreibung trifft den Charakter dieses seltsamen Kulturortes, der sich vom ursprünglich pädagogisch ausgerichteten Spielzelt zum angesagten Club entwickelt hat, ganz gut. Oberflächlich wird die Kuppel rasch in die Schulblade Jugend- oder Alternativkultur gesteckt; «es gibt aber viele verschiedene Kuppeln für verschiedene Publikumssegmente», wie Kuppel-Leiter Simon Lutz betont. Ein Blick in das aktuelle Programm bestätigt dies: Auf einen Salsa-Abend folgt ein Hiphop-Act, der wiederum von einer ‹heterofriendly Gayparty› mit Electronic Sound flankiert wird. Zudem sorgt das bauliche Flickwerk seit einigen Jahren nicht mehr alleine für Unterhaltung auf dem Gelände zwischen den beiden Strassenviadukten: 2005 öffneten das Restaurant Acqua und der Club Annex ihre Tore, 2006 ist mit der Baracca Zermatt noch ein lauschiges Fonduestübli hinzugekommen.
Auf dem Weg zur Dauerlösung
Lutz mag seine Rolle als Gastgeber auf verschiedenen Hochzeiten. «Zu den Höhepunkten meiner Tätigkeit gehört, wenn ich auf einem Rundgang übers Gelände von den Bankleuten in der Baracca Zermatt bis zu jungen Hiphoppern in der Kuppel auf engstem Raum Gäste so unterschiedlicher Art begrüssen und zur Kenntnis nehmen kann, dass dieses Nebeneinander wunderbar funktioniert.»
Dass es so gut funktioniert, dafür war viel Arbeit nötig. Als Lutz die Kuppel vor 15 Jahren übernahm (oder besser gesagt, in die Rolle als Kuppel-Leiter hineinrutschte), war er zusammen mit seiner damaligen Lebenspartnerin und Hilfeleistungen aus seinem Freundeskreis mehr oder weniger auf sich alleine gestellt. Heute bietet der Mikrokosmos im Nachtigallenwäldeli rund 45 Vollzeitstellen. Und nun steht nach der Präsentation der Neugestaltungspläne durch das Basler Baudepartement der nächste gewichtige Schritt in der Wandlung der Kuppel vom sympathisch-chaotischen Provisorium zur etablierten Kulturinstitution bevor.
Das Neubauprojekt – die Basler Lost Architekten entwarfen eine Art umgekipptes Brotkörbchen – wurde bereits vor über sechs Jahren erkoren, jetzt geht es darum, die Kosten von ca. 4,5 Millionen Franken aufzutreiben. Eine Stiftung soll helfen, die nötigen Mittel zu beschaffen. Und wenn alles reibungslos abläuft, könnte die neue Kuppel in zweieinhalb Jahren bereits ihre Tore öffnen.

(Erschienen in Programmzeitung Nov. 2008)

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